Für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit
Ein Tag, an dem eine ganze Klasse üben darf
Ein Projekttag zur Resilienz ist kein Ersatz für Beziehungsarbeit im Schulalltag, aber er kann einer Klasse einen gemeinsamen Anfang geben: eine Sprache für Gefühle, ein geübtes Stopp und die Erfahrung, dass man sich Hilfe holen darf. Dieser Beitrag zeigt, wie ein solcher Tag in der Grundschule ablaufen kann, welche Übungen sich bewähren, was sich realistisch verändert und wie die Wirkung nach dem Tag nicht verpufft.
Was ein Projekttag leisten kann und was nicht
Resilienz wächst durch viele kleine Erfahrungen über Monate hinweg. Ein einzelner Tag ändert deshalb nicht die Haltung einer Klasse. Er kann aber Dinge in Gang setzen, die der Unterricht danach aufgreift. Hilfreich ist, vorab ehrlich zu klären, was man sich vornimmt:
- Gemeinsame Begriffe: Wenn alle Kinder dasselbe Wort für „Stopp“, „Wut“ oder „Hilfe holen“ kennen, fällt es leichter, im Alltag darauf zurückzukommen.
- Geübtes statt Erklärtes: Kinder lernen ein klares Nein nicht durch Zuhören, sondern durch Ausprobieren in geschütztem Rahmen.
- Die ganze Klasse im Blick: Nicht einzelne „schwierige“ oder „stille“ Kinder werden herausgegriffen. Alle üben mit, das nimmt den Druck von den Betroffenen.
- Kein Ersatz für Einzelfallarbeit: Wo Kinder gemobbt werden oder erkennbar leiden, braucht es zusätzlich Gespräche, Schulsozialarbeit und gegebenenfalls Beratung.
Wer diese Grenzen kennt, kann den Tag gut einordnen und vor Eltern und Kollegium ohne überzogene Erwartungen vertreten.
Gut vorbereitet in den Tag
Ob ein Projekttag trägt, entscheidet sich oft vor dem ersten Spiel. Zwei Dinge lohnen die Mühe: die Absprache im Team und die Information der Eltern.
Absprache mit der Klassenleitung
Klären Sie vorher, was in der Klasse gerade los ist: Gibt es einen laufenden Konflikt, ein Kind, das häufig ausgegrenzt wird, eine Gruppe, die den Ton angibt? Diese Hinweise müssen nicht vor der Klasse ausgesprochen werden, helfen der Trainerin aber, den Tag passend zu gestalten.
Wichtig: Die Klassenlehrkraft bleibt im Raum und macht mit. Sie sieht, was die Kinder üben, und kann es danach aufgreifen.
Raum und Rahmen
Am besten eignet sich ein freier Raum, in dem die Kinder sich bewegen können, zum Beispiel die Turnhalle, ein Mehrzweckraum oder ein ausgeräumtes Klassenzimmer. Ein Stuhlkreis für die Gespräche und genug Platz für Bewegungsspiele reichen aus.
Bequeme Kleidung und feste Pausenzeiten gehören dazu. Nach den Übungen brauchen Kinder Bewegung und Ruhe.
Information an die Eltern
Ein kurzer Elternbrief vorab nimmt Vorbehalte. Er sagt, was an dem Tag passiert, dass niemand vorgeführt wird und dass Kinder jederzeit zuschauen dürfen, statt mitzumachen.
Nach dem Tag freuen sich viele Eltern über einen Hinweis, was geübt wurde, damit sie zu Hause anknüpfen können.
Freiwilligkeit als Prinzip
Kein Kind wird zu einer Übung gezwungen. Zuschauen ist erlaubt und oft der erste Schritt. Die Erfahrung, dass das eigene Nein ernst genommen wird, ist selbst schon Teil des Lernens.
Ein möglicher Ablauf in sechs Einheiten
Das Training nach dem Konzept von „Stark für Kinder“ umfasst sechs Einheiten von je 45 Minuten. Sie lassen sich an einem Projekttag bündeln oder auf drei Termine mit je einer Schuldoppelstunde verteilen. Hier ein Beispiel, wie die Einheiten aufeinander aufbauen können:
Einheit 1: Ankommen und Regeln
Die Kinder lernen sich als Gruppe kennen, vereinbaren gemeinsam Regeln und erfahren, dass jede Übung freiwillig ist. Ein Eröffnungsspiel löst die Anspannung und macht klar: Hier darf gelacht werden.
Einheit 2: Gefühle wahrnehmen
Wie sieht Wut aus, wie fühlt sie sich im Körper an, was hilft, wenn sie groß wird? Mit Gefühlskarten und kleinen Szenen sammelt die Klasse Wörter und Zeichen.
Einheit 3: Stopp sagen
Mit Körpersprache, Stimme und Blick üben die Kinder, eine Grenze klar und freundlich zu ziehen. Erst zu zweit, dann vor der Gruppe, immer mit dem Angebot, die Rolle zu wechseln.
Einheit 4: Hilfe holen
Wann ist Petzen, wann ist Hilfe holen? Die Klasse sammelt Situationen, klärt, wer in der Schule ansprechbar ist, und übt, die ersten Worte zu finden.
Einheit 5: Zusammenhalt
Spiele, in denen niemand allein gewinnt, und Szenen, in denen die Gruppe jemanden einbezieht, der am Rand steht. Hier wird das Mobbingthema berührt, ohne einzelne Kinder zu benennen.
Einheit 6: Rückschläge und Abschluss
Die Kinder erinnern sich an eigene Stärken, sammeln Dinge, die ihnen nach einem schlechten Tag helfen, und nehmen eine Aufgabe mit in den Alltag. Ein gemeinsames Abschlussritual rundet den Tag ab.
Vier Übungen, die in Grundschulklassen gut ankommen
Die folgenden Übungen sind Beispiele aus dem Bereich der Selbstbehauptung und Resilienz. Sie brauchen kaum Material und lassen sich auch ohne Projekttag im Unterricht einsetzen.
Das Stopp-Spiel
Zwei Kinder stehen sich in einigen Metern Abstand gegenüber. Eines geht langsam auf das andere zu. Sobald es dem zweiten zu nah wird, streckt es die Hand aus und sagt laut und deutlich „Stopp!“. Das gehende Kind bleibt sofort stehen, dann wird getauscht.
Warum es wirkt: Die Kinder erleben, dass ihr Wort etwas bewirkt, und spüren den Unterschied zwischen einem leisen und einem klaren Stopp.
Das Gefühlsbarometer
An der Tafel oder auf dem Boden entsteht eine Linie von „ganz ruhig“ bis „ganz wütend“. Die Kinder stellen sich bei Alltagssituationen dorthin, wo sie sich in dem Moment sehen würden, zum Beispiel beim Verlieren eines Spiels. Unterschiede sind ausdrücklich erwünscht.
Warum es wirkt: Kinder erleben, dass dieselbe Situation sehr verschieden empfunden wird, und lernen, die eigene Stärke eines Gefühls einzuschätzen.
Das Hilfe-Karussell
In Kleingruppen bekommt jedes Team eine Situation auf einer Karte, etwa „Mir wurde das Pausenbrot weggenommen“. Reihum überlegen die Kinder: Wen könnte ich ansprechen? Was sage ich als Erstes? Dann spielen sie den ersten Satz vor.
Warum es wirkt: Der erste Satz ist oft die größte Hürde. Wer ihn einmal gesagt hat, spricht ihn im Ernstfall leichter aus.
Die Mutmach-Liste
Jedes Kind schreibt oder malt, was ihm nach einem schlechten Tag hilft: eine Umarmung, Bewegung, ein Lieblingslied. Die Blätter werden im Kreis vorgestellt und danach im Klassenraum aufgehängt.
Warum es wirkt: Die Klasse sammelt Strategien, und jedes Kind erfährt, dass es nicht das einzige ist, dem etwas schwerfällt.
Wirkung: was realistisch ist
Eine Klasse nach einem Projekttag zu messen, ist schwierig, und ein einzelner Tag allein verändert selten das Klima. Was Lehrkräfte nach solchen Tagen häufig beschreiben, sind eher leise Veränderungen: Kinder benutzen die geübten Wörter, ein „Stopp“ wird im Streit eher respektiert, und es fällt manchen leichter, sich bei einer Lehrkraft zu melden. Belastbare Zahlen für Ihre Klasse gibt es nicht, deshalb lohnt der Blick auf das, was Sie selbst beobachten können.
Damit die Wirkung nach dem Tag nicht verpufft, helfen kleine feste Anker im Schulalltag:
- Ein Ritual im Morgenkreis: Kurz die Gefühlslage der Klasse abfragen, zum Beispiel mit dem Gefühlsbarometer, dauert wenige Minuten.
- Das Stopp als Klassenregel: Wenn „Stopp heißt Stopp“ auch im Unterricht und in der Pause gilt, bleibt die Übung lebendig.
- Eine sichtbare Hilfe-Liste: Aushang im Klassenraum, wer in der Schule ansprechbar ist und wie man diese Menschen findet.
- Nach vier bis sechs Wochen nachfassen: Eine Wiederholungsrunde mit einer Übung aus dem Tag und eine kurze Frage an die Klasse, was noch hängt.
Eltern, die zu Hause anknüpfen möchten, finden im Löwen-Check in zwei Minuten heraus, wo ihr Kind gerade steht. Die Impulse unter Löwenimpuls des Tages geben kleine Ideen für den Familienalltag, ein Beispiel ist die Spiegelübung für den Selbstwert.
TIPP FÜR ZU HAUSE
Das Kartenset „Löwenmut & Mückentanz“
54 Karten, zwei Spielvarianten und ein Begleitheft, von Svenja Bütefür für Kinder ab 6 Jahren entwickelt. Gefühle zeigen, Nein sagen, sich etwas zutrauen: Die Themen des Projekttags stecken spielerisch in den Karten. Eine gute Empfehlung für Eltern, die nach dem Projekttag mit ihrem Kind weiterüben möchten.
Häufige Fragen
Für welche Klassenstufen eignet sich ein Projekttag?
Das Training ist ab einem Alter von fünf Jahren möglich. In der Grundschule nimmt in der Regel die ganze Klasse teil. Die Übungen werden an das Alter angepasst, in den ersten Klassen mit mehr Bewegung und Geschichten, in den höheren mit mehr Gespräch und Rollenspiel.
Wie lange dauert ein Projekttag?
Das Training umfasst sechs Einheiten à 45 Minuten. Sie lassen sich an einem Projekttag zusammenfassen oder auf drei Termine mit je einer Schuldoppelstunde verteilen. Welche Variante besser passt, hängt vom Stundenplan und von der Klasse ab.
Müssen alle Kinder mitmachen?
Nein. Zuschauen ist jederzeit erlaubt. Viele Kinder beobachten erst eine Weile und steigen dann von selbst ein. Ein Nein zur Übung ernst zu nehmen, ist selbst schon Resilienzförderung.
Was ist, wenn in der Klasse gerade Mobbing ein Thema ist?
Ein Projekttag kann das Miteinander stärken, ersetzt aber keine Klärung im Einzelfall. Sprechen Sie vorab offen mit der Trainerin und binden Sie die Schulsozialarbeit ein. Kinder, die selbst Rat suchen, erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111, Eltern das Elterntelefon unter 0800 111 0 550.
Was kostet ein Projekttag für unsere Schule?
Die Kosten richten sich nach Gruppengröße, Umfang und Anfahrt und werden als Pauschale zuzüglich Fahrtkosten berechnet. Auf Anfrage erstellt Svenja Bütefür ein individuelles, unverbindliches Angebot.
Der Projekttag direkt in Ihrer Schule
Ich komme mit dem Selbstbehauptungs- und Resilienztraining in Ihre Grundschule: sechs Einheiten à 45 Minuten, als Projekttag oder an drei Terminen mit je einer Schuldoppelstunde, mit der ganzen Klasse und im ganzen Ruhrgebiet. Schildern Sie mir kurz Ihre Klasse, dann erstelle ich ein unverbindliches Angebot.
Nicht sicher, wo dein Kind gerade steht? Mach den Löwen-Check: zwei Minuten, acht Fragen, zwei Übungen für heute Abend.
Ihr wohnt im Ruhrgebiet?
Dann gibt es das Training auch als Kurs vor Ort: zwei Vormittage in einer kleinen Gruppe, für Kinder von 6 bis 10 Jahren.
- Grundkurs in Essen-KettwigSa 5. und So 6. Dezember, 10:00 bis 12:30 Uhr, 69 €Plätze freiPlatz buchen
- Grundkurs in Mülheim an der RuhrSa 20. und So 21. Februar 2027, 10:00 bis 12:30 Uhr, 75 €Plätze freiPlatz buchen
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Svenja Bütefür
Ich bin zertifizierte Resilienztrainerin für Kinder nach „Stark für Kinder“ und gebe offene Kurse in Essen-Kettwig und Mülheim an der Ruhr. Mehr über mich
